Mozart was here – 1778 -
und die „FREUNDE der Villa Musica“ am 3. Mai 2026 in Kirchheimbolanden
Um ein Foto zu machen eilte Freundeskreisvorsitzende Barbara Harnischfeger kurz vor Konzertbeginn in der Paulskirche schnell die Stiege hinauf zum Spieltisch, an dem Wolfgang Amadeus Mozart am 28. Januar 1778 die Orgel traktierte. Sein Besuch in Kirchheimbolanden galt aber eigentlich der Fürstin Caroline von Nassau-Oranien, die imbenachbarten Schloss Hof hielt. Bei ihr saß Mozart über seinen 22. Geburtstag hinweg eine Woche lang jeden Abend am Klavier, öfter als in jeder anderen deutschen Stadt. Er kam von Mannheim rüber und verbrachte „Ferientage“, wie er seinem Vater schrieb, mit seiner 16jährigen Gesangsschülerin Aloysia Weber, in die er sich verliebt hatte. Sie sang seine komplizierten Koloratur-Arien „superb“, er wollte sie zu seiner Primadonna machen. Das und viel mehr erfährt man, wenn man einen Ausflug mit den „Freunden der Villa Musica“ organisiert und Prof
. Dr. Karl Böhmer mit seinem enzyklopädischen Wissen als Begleiter hat
Mehr als 40 Freundinnen und Freunde der Villa Musica waren nach Kirchheimbolanden gekommen und erfuhren, was die Fürstin Caroline von Nassau-Oranien betraf auch: sie hatte königliche Vorfahren. Als Tochter der Händel-Schülerin Princess Anne und Enkelin von King George II war sie ein britischer „Royal“ und eine fantastische Cembalistin – typisch für eine Nichte Friedrichs des Großen. Wolfgang Amadeus Mozart fühlte sich wohl bei ihr in Kirchheimbolanden.

1792 verlor der Sohn von Caroline das Schloss - Kirchheimbolanden war französisch besetzt. Die Franzosen verkauften die Barockanlage an einen niederrheinischen Bauunternehmer und der ließ gleich zwei Flügel abreißen. In Neubauten befindet sich heute ein Altersheim. Aber der Clou für die Villa Musica-Freunde: als Ausgleich für das verlorene Kirchheimbolanden erhielt die Weilburger Fürstenfamilie 1803 bei der Säkularisierung der kurtrierischen Besitztümer (Reichsdeputationshauptschluss) von den Preußen ein Schloss rechts des Rheins übertragen. Und welches? Na, Schloss Engers. Das blieb dadurch erhalten und heute ist es Sitz der Kammermusikakademie von Villa Musica.
Wie schwierig es ist, im heutigen Kirchheimbolanden das Terrain der einstmals so glanzvollen Hofhaltung der Nassau-Weilburger zurück zugewinnen, davon berichtete den Freunden der Villa Musica Dr. Lydia Thorn-Wickert, Streiterin für das kulturelle Erbe rund ums ehemalige Schloss. Sie gab den FREUNDEN Einsichten in ihr großes Projekt, die Rekonstruktion des barocken Terrassengartens, und in die schwierige Gemengelage kultureller Initiativen in einer 8.000-Einwohnerstadt. (Auf dem Foto unten rechts zu sehen ist das ehemalige Ballhaus des Schlosses, ein Haus tatsächlich für Ballspiele) Nach einem kurzen Spaziergang durch die barocken Straßenzüge, vorbei am Mozart-Brunnen des Bildhauers Eberhard Linke (ehemals Freund der Villa Musica) kehrten die FREUNDE im ersten Café vor Ort ein und entspannten sich fürs bevorstehende Konzert in der Paulskirche.
Ein reines Mozart-Programm boten souverän vier Villa Musica-Stipendiaten aus vier Nationen. (Hier bei der Probe) Die Geigerin Lir Vaginsky aus Israel, der Bratschist Eike Coetzee aus Namibia, die Cellistin Oliwia Meiser aus Polen und der Flötist Daniël Spies aus Südafrika ließen es technisch an Nichts fehlen – vier erstaunlich reife Solisten in gepflegtem Ton. Eine knappe Stunde lang führten sie das Publikum durch Mozarts Kammermusik – auf die denkbar heiterste und brillanteste Weise.
Vor Konzertbeginn wies Kultur-Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck auf die Chancen hin, die Kirchheimbolanden als Mozart- und als Gartenstadt für die Zukunft habe. Prof. Ervis Gega, die Künstlerische Leiterin der Villa Musica, beschrieb den Zauber des Ortes, der als europäisches Kulturerbe unbedingt erhalten werden müsse. Dafür haben sich großzügige Geldgeber wie das Ehepaar Hoffmann und erfahrene Kulturgestalter wie Detlof Graf von Borries zu einer Stiftung in Gründung zusammengeschlossen. Sie wird in Zukunft Eigentümerin der Paulskirche sein, wozu die Landesstiftung Villa Musica mit dem Erlös ihres Benefizkonzerts schon jetzt einen kleinen Grundstein legt.
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Detlef Graf von Borries |
Ehepaar Hoffmann |