Starke Lobby für die Villa Musica

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Fotos: Herbert Piel

Grandioses Fest zu 20 Jahre „Freunde der Villa Musica“

Der Diana-Saal in Schloss Engers platzte aus allen Nähten. Junge Virtuosen glänzten mit Bravourstücken der Solo-Literatur auf wertvollen alten Instrumenten aus der Landessammlung Rheinland-Pfalz. Barbara Harnischfeger präsentierte eine kurzweilige Foto-Show der zurückliegenden Jahre, Karl Böhmer moderierte informativ und unterhielt blendend. Ein Liebhaber-Orchester, zusammengestellt von Alfons Moritz verband Förderer und Geförderte. Hermann-Josef Richard war der Gästebetreuer. Die Gesamt-Regie hatte Kai Link. Der Manager der Kammermusikakademie und studierte Geiger, spielte so wie die Vorstandsmitglieder Alfons Moritz und Cornelia Hoffmann ebenfalls im Kammerorchester, das gestützt wurde von Stipendiaten wie dem Geiger Niklas Liepe als Konzertmeister. Vor dem Nachtisch beim anschließenden Mittagessen wurde schließlich noch geswingt - zur Freundeskreis-Lobeshymne von Werner Keym. Kommentar der von Christiane Herzog zum Jubiläumsfest: „Wunderbar geplant und strukturiert, witzig, informativ und kurzweilig, so fern ab von langweilig üblichen „Feierstunden“, traumhaft originäre Musik, ein wirkliches Erlebnis!

Die Matinee am Sonntag, 5. November 2017, begann mit einem Zusammentreffen um 10.30 Uhr. Freundeskreismitglied Diethelm Possmann gab dann kurz vor elf das Trompetensignal zum Start der Feier. Die wurde eröffnet mit einem Begrüßungs-Quartett, bei dem sich die Freundeskreis-Vorstände das Wort übergaben wie ein Streichquartett die Melodiestimme. 178 Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz waren gekommen – es hätten noch mehr sein können, wenn Platz gewesen wäre.

Stolze Mitgliederzahl

670 Mitglieder hat der Freundeskreis am Tage der Jubiläumsfeier - nachdem Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro zum Ende seines Grußwortes einen ausgefüllten Anmeldebogen abgegeben hatte. Er kenne kaum eine Kulturinstitution in Rheinland-Pfalz, die von einem so großen und aktiven Freundeskreis unterstützt werde, lobte Barbaro, der Vorstandsvorsitzende der Landesstiftung Villa Musica. Er musste die Feier wegen Terminverpflichtungen bald verlassen.

Freundeskreis setzt Signal

Die Freundeskreis-Vorsitzende Barbara Harnischfeger betonte, dass der Unterstützerkreis wichtiger denn je sei für die Villa Musica. Er erinnere die Politiker daran, dass die Landesstiftung geschätzt wird für ihre Eliteförderung und dass Villa Musica unverzichtbar ist für ein hochklassiges Konzertangebot in ganz Rheinland-Pfalz. Sorgen bereiten der Freundeskreis-Vorsitzenden die Zinsausfälle beim Stiftungskapital der Villa Musica. Der Ausgleich müsse, solange die Niedrigzinsphase andauere, durch Geld aus dem Landeshaushalt kommen. Dafür werbe der Freundeskreisvorstand. Ein starker Freundeskreis gebe an Politik und Gesellschaft das Signal: Kammermusik führt kein Nischen-Dasein, sondern hat ihre Fans und wird gebraucht. Landesregierung und Abgeordnete müssten erkennen, dass Villa Musica eine Marke für Rheinland-Pfalz ist, die Strahlkraft besitzt.

Elite, aber nicht elitär

Der frühere Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig, der 1997 als Vorstandsvorsitzender der Landesstiftung Villa Musica den Freundeskreis gegründet hatte, war zum Jubiläum für ein Interview eingeladen und sagte: „Kultur ist kein Luxus, sie ist Lebensmittel. Gerade aus seiner heutigen Perspektive eines Oberbürgermeisters und Wirtschaftsdezernenten stelle er fest, dass Kultur nicht nur Geld verbraucht, sondern auch Voraussetzung schafft für Gelderwerb. Kulturelle Infrastruktur sei wichtiger Standortfaktor bei der Betriebsansiedelung. Hofmann-Göttig sprach auch an, dass Villa Musica das Baudenkmal Schloss Engers erhält – auch dafür sei die Villa Musica mit 20 Millionen Euro Kapital ausgestattet worden 1992, zur Zeit von Kulturministerin Rose Götte als seiner Chefin. Dass die Rendite, die für die Hochbegabtenförderung, für 140 Konzerte im Land und für den Erhalt des Schlosses gebraucht wird, auf 1,5 Prozent fallen würde, das habe sich damals niemand vorstellen können.

Hilfe für Einzelne und über Villa Musica

Den Freundeskreis der Villa Musica hatte Hofmann-Göttig 1997 gegründet, um die Einrichtung, bei der eine Elite gefördert wird, in der Bürgerschaft bekannt zu machen und zu verankern. Der Mitgliedsbeitrag ist, wie auch die Eintrittspreise für die Konzerte, bewusst niedrig gehalten.
400 000 Euro kamen in 20 Jahren aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen. Was damit unterstützt wird, auch das zeigte Barbara Harnischfeger an Beispielen in ihrer Fotoshow. Erwähnt ist es außerdem im hier angehängten Grundsatztext, den sie für das Programmheft zur Jubiläumsfeier geschrieben hat.

Eine gute Gemeinschaft

Sinn des Freundeskreises ist es seit Anbeginn, Publikum zu binden und Gemeinschaftserlebnisse im Zusammenhang mit der Musik zu bieten. Oftmals sind die Freunde besonders beachtete Konzertbesucher und Nutznießer der Zusammenarbeit zwischen Verein und Stiftung. Prof. Dr. Karl Böhmer, der Geschäftsführer und Musikwissenschaftler gibt Einführungen in die Musik und hat die Vorsitzende schon zu mancher Konzertreise inspiriert und die Reise begleitet. Dr. Heidrun Miller beteiligt die Freunde an RheinVokal. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter, achtet die den Förderkreis sehr, arbeitet eng mit dem Vorstand zusammen und bezieht den Verein in viele Aktionen ein - hat den Freunden mit „Karrieren“ sogar eine eigene Konzertreihe im regulären Jahresprogramm der Villa Musica überlassen. „Es ist eine gute Zeit geworden mit Prof. Hülshoff“, sagte Barbara Harnischfeger. Und: „Kai Link, der Manager der Kammermusikakademie Schloss Engers ist aufmerksamer Gastgeber und stets kompetenter Möglichmacher für die Freunde – außerdem führt er die Geschäfte unseres Vereins vorbildlich“.

Freunde musizieren selbst

Der Clou der Sonntagsmatinée in Schloss Engers war der Auftritt eines Liebhaberorchesters, in dem die ehemalige Kulturministerin Rose Götte die Soloflöte spielte - in einer Telemann-Ouverture. Die mitwirkenden Freunde bei der Streichersinfonie von Jan Zach waren: Cornelia Hoffmann und Dieter Fröhlich -  Cello, Michael Kemman, Georg Hartrath und Kai Link - Geige, Friedhelm Zwickler Bratsche, Alfons Moritz – Kontrabass.

An wertvollen Instrumenten

Gestützt wurden die „Dilettanten“, so hießen die adeligen Laienmusiker in den Hoforchestern zu Feudalzeiten, allerdings von den jungen Hochbegabten, von denen jeder zuvor ein virtuoses Solostück abgeliefert hatte - im ersten Teil begleitet von Dmitri Solodukha am Klavier. Die jungen Könner wurden regelrecht umjubelt in der Matinée. Niklas Liepe setzte den Abschluss mit einer Caprice von Niccolò Paganini. Die anderen spielten Tschaikowsky, Kreisler, Piazzolla und Bach –jeweils auf dem Instrument aus der Landessammlung Rheinland-Pfalz, das er/sie gerade in Ausleihe hat: Konstantin Bruns ein Cello von Jean-Baptiste Vuillaume aus 1860, Paul Strauch-Erb eines von 1869,  David Petrlik eine Violine von Pietro Guarneri aus 1702 „ex Schubert“, Vlada Berezhnaja eine Sanctus Seraphin Violine aus 1751, Nuala McKenna das William Forster sen. Cello aus 1790, bespannt mit Darmsaiten.

50 Prozent der Versicherungssumme für diese wertvollen alten Geigen und Celli, die aus der Landessammlung Rheinland-Pfalz für ein oder zwei Jahre an die Stipendiaten ausgeliehen sind, zahlen die Freunde der Villa Musica.

Den Schatz erhalten

„Villa Musica – ein Schatz, den es zu erhalten gilt“. Dieser Satz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Fest zum 30jährigen Bestehen der Landesstiftung 2016 in Mainz hat sich in mein Gehirn eingebrannt, sagte Barbara Harnischfeger in ihrer Rede beim Fest des Freundeskreises. Daran werde sie immer wieder erinnern und diese Botschaft sollen die FREUNDE weitertragen. Die Botschaft heisst:

  • Villa Musica ist Image prägend für Rheinland-Pfalz
  • Villa Musica ist eine Marke mit Weltruf
  • Villa Musica ist exzellent und für die Konzertbesucher beglückend - durch das einzigartige Konzept der Hochbegabtenförderung: international erfolgreiche Virtuosen proben und konzertieren Seite an Seite mit jungen Meistern. Es herrscht eine kreative Spannung und der Funke springt über.
  • Villa Musica setzt Qualitätsmaßstäbe in der Festivalszene des Landes
  • Villa Musica lässt Burgen und Schlösser erklingen
  • Villa Musica erhält das Kulturdenkmal Schloss Engers
  • Villa Musica bringt hochkarätige Künstler ins ganze Land – auch in kleinste Orte, und das zu erschwinglichen Eintrittspreisen.
  • Villa Musica fördert eine Elite,  ist aber mit ihrem Angebot für die breite Bevölkerung da und nicht zu ersetzen.